Strandspaziergang

Strandspaziergang

Liebe Gäst*innen des Roten Salons!

Die meisten Tische stehen leer, alle sind im Urlaub und selbst die Amseln haben derzeit nicht viel zu erzählen. Für Sie, die in den roten Monoblocs ausharren und stoisch weiter Filterkaffee trinken, während Sie Ihrem Alltag nachgehen, kommt hier ein kleiner gedanklicher Escape in Richtung Urlaub; genauer in die raue Nordsee, wo Vogel und Insulaner*in sich gigantische Sanddünen teilen und vom Festland nicht viel mehr als eine fusselige, stressig blinkende Silhouette am Horizont bleibt. Am besten urlaubt es sich auf so einer Insel auf dem Zeltplatz; im Einklang der Natur, (Zelt-) haut an Haut mit Flora, Fauna und den anderen Urlaubenden lässt es sich so richtig Auftanken und Erholen. Der Festland Stress bleibt zu Hause; hier gilt nur Ebbe, Flut und Jever.

Ein typischer Urlaubstag sieht ungefähr so aus: Die Außentemperatur beträgt angenehme 17 Grad, der Regen fällt aus allen Wolken und lockt die Zelter*innen aus der Reserve. In extremen Wettersituationen zeigt sich das wahre Ich der Zelterin, es geht um den Überlebenskampf der Idylle.

Bei Zelterin C. läuft das Wasser schonungslos ins Zelt hinein. Ihr Zelt war vorher schon undicht, sie ist also nicht verwundert. Zwischen ihrem schwimmenden Gepäck, inmitten der Seenplatte, baut sie das kleines Wurfzelt für den Fall der Fälle auf, um sich darin mit ihrer Familie vor den Wassermassen zu schützen und zu Übernachten. Wie beim Camping.

Das Zelt neben unserem wurde dem Wetter entsprechend von vornherein einfach provisorisch aufgebaut; es gibt sich der Fallrichtung des Wassers hin und wabert dynamisch Richtung Erde. Das alte Nordland Zelt am Zaun (es sieht aus wie ein kleines Haus mit blauen Dächern und orangenen Wänden) wird von seiner Bewohnerin mit einer Sprühflasche von außen imprägniert. Sie besprüht sorgfältig die Nähte der ersten Zeltwand, dann wird es der Sprühenden doch zu nass und die nächste Zeltwand wird nur noch mit einem kryptischen Zeichen bemalt. Es soll nach dem Untergang in den Wassermassen das Zelt erkennbar machen, wie die Tätowierungen auf den Häuten der Seemänner.

Der Fußballverein, der in einem großen Zeltlager weiter hinten auf dem Platz steht, frittiert einfach gegen den Regen an. Im großen Kochzelt wird alles, was sich so auftreiben lässt, von einzelnen Socken über Deospraydosen, in die Fritte geschmissen, sodass das Frittierfett über das ganze Lager spritzt und eine Art Regenschirm bildet. Fett erzeugt Wärme und ist stärker als Wasser.

In unserem Zelt läuft der Regen unaufgeregt an der Zeltstange entlang ins Zelt hinein, woraufhin sich eine Pfütze bildet, wie ein kleiner indoor Pool. Nach Stunden des angenehmen Badens im Pool, entscheiden wir aktiv zu werden und einer anderen, für den Nordseeurlaub prädestinierten Aktivität nachzugehen; dem Strandspaziergang. Bevor wir unser Domizil verlassen und uns in die himmelwärts hereinbrechenden Fluten werfen, greifen wir zum Alltime Camping Gadget Ballistol und sprühen uns von Kopf bis Fuß damit ein. Gesicht, Haare, Regenkleidung, alles wird imprägniert und zuletzt mit einem ordentlichen Schluck Ballistol gegurgelt. Staubtrocken spazieren wir Richtung Meer und spielen Volleyball. Abends machen wir ein Picknick aus Quallensalat mit Möwenschenkeln vor dem grauen Sonnenuntergang. „Aaaah, jetzt isse weg“ sagen wir um 21:45h, weil wir wissen, dass die Sonne um diese Uhrzeit ins Meer abtaucht.
Durch den, auf unsere Ballistol-Frisuren prasselnden Regen, lächeln wir uns verliebt zu. Das Gesicht der anderen Person lässt sich durch den Regen nur Erahnen, aber unser Lieblingsgesicht kennen wir im Schlaf. Wir stoßen mit unserer Weinschorle an, die aus einem kleinem Schluck Rotwein im Glas besteht, der sich rasch mit Regenwasser auffüllt. Die Möwen sitzen auf dem Meer, nasser wird’s da auch nicht, und knabbern an den Überresten unseres Picknicks. Den triefenden Island Ponys gewähren wir Unterschlupf in unserer Mitte.
Die Nacht verbringen wir mit den Möwen (dank Ballistol) auf dem Meer treibend, während wir den Zelten hinterher sehen, die an uns vorbei, Richtung Festland schwimmen…

Die Doraus & Die Marinas, Nordsee

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